krimiblog.de

Ermittlungen zum Verfall eines Genres | Gegründet 2005 | 6. Jahrgang

Schlagwort: dpr

Das Zentralorgan der Krimikritik

Ich hatte es ernsthaft in Erwägung gezogen. Einen “Verein“ für Krimikultur – warum eigentlich nicht. Vergiss für einen Moment, was so in den letzten Monaten passiert ist. Schließlich geht es um Krimikultur. Dafür hample ich schließlich auch schon seit über zehn Jahren im Netz herum. Mal mehr, mal weniger. Doch dann trifft mich → dieser Text wie ein Faustschlag:

Schuld hat der Leser

Wieder einmal ist ein ehrgeiziges Krimiprojekt gescheitert – so kann man es seit heute bei → “Watching the detectives“ lesen. Die → “Kriminelle Sittengeschichte Deutschlands“, eine Reihe mit zehn Bänden deutschsprachiger Kriminalliteratur aus dem letzten Jahrhundert, herausgegeben vom Hamburger Autor Frank Göhre, wird nach Abschluss und Veröffentlichung des zehnten Bandes nun verscherbelt. So teilt der Verlag, die “Edition Köln – Verlag Peter Faecke“ über “Wtd“ mit: „… der Abverkauf war wider Erwarten ein völliges Desaster.“ Das kann man zu Recht traurig finden. Dieter Paul Rudolph, Betreiber von „Wtd“, hat dann auch schnell den Schuldigen ausfindig gemacht:

Neulich im Krimi-Camp

Liebe Lesende,

gelegentlich beschleicht mich das Gefühl, die deutsche Krimiszene gleiche mehr diesem seltsamen australischen Dschungelcamp als einer seriösen Veranstaltung. Als habe jemand das Motto „Ich bin ein Krimistar– holt mich hier raus“ ausgegeben, woraufhin sich Deutschlands Elite-Krimikritiker und mehr oder weniger prominente Krimischreiberlinge der C-Klasse im Medien- und Netzdschungel versammelt haben, um gemeinsam widerliche Prüfungen zu bestehen. Es geht freilich nicht nur um die Erfüllung von so ekelhaften Aufgaben wie “Lobhudeln Sie den blutrünstigsten Krimischreiber der Saison in die SPIEGEL-Bestsellerliste“ oder “Schleimen Sie sich bei einem Verlag so ein, dass Sie entweder…
a) …als Autor einen Vertrag über fünf Buchveröffentlichungen bekommen“
oder
b) … als Kritiker fünf Pressereisen bezahlt bekommen“. – Nein, mindestens genauso interessant sind die Lästereien, die sich die Damen und Herren so unter- und übereinander an den Kopf werfen. Bevor ich aber zu den aktuellen Abgründen der Krimizunft komme, schaue ich doch lieber auf ein positives Beispiel, das zeigt, wie sich Kritiker und Autor auch zwischenmenschlich näher kommen, voller Verständnis für einander sind und dabei reichlich heiße Luft erzeugen.

Diskussionskultur

Die Zeiten werden härter, der Wind wird rauer. Besonders kräftiger weht er derzeit durch die deutsche Krimiblog- und Krimikritik-”Szene”. Beliebt in diesen stürmischen Zeiten: Leser beschimpfen und Kollegen herunter putzen. Was mancher vielleicht als „Diskussionskultur“ sieht, löst bei mir eher Erschrecken aus. Der Ton, der da mittlerweile angeschlagen wird, schwankt zwischen Aggressivität und Beleidigung.

So erstaunt es mich schon, dass Dieter Paul Rudolph, bekannt auch unter seinem Kürzel dpr, immer wieder auf die Leser eindrischt. Seit vergangenem Samstag können wir etwa beim → “Titel-Magazin“ folgende Feststellung lesen:

“Der Patient, der da seinen Verstand aushaucht und auf gröbste Wiederherstellung hofft, ist der Leser.“

Noch ein Hinweis

→ Da, noch ein Hinweis, dass es den geheimnisvollen Roman → “Menschenfreunde” von unserer geschätzten Dreiheiligkeit →Dieter Paul Rudolph tatsächlich geben soll. Gefunden hat den Hinweis der fleissige →Alligator. Die Rezensentin Sylvia Staude lobt den Roman, sollte sich aber entscheiden, ob der gute Mann Rudolf oder Rudolph heißt. Zum Schluss fordert sie zum Kauf des Krimis auf. Dieser Aufforderung würde ich ja gerne folgen, aber…